Taktik und Taktiktraining

 
 

Vorbemerkungen und Begriffsbestimmungen


Der vorliegende Lehrplan ist spielorientiert und folgerichtig beginnt er im methodisch-praktischen Teil auch mit dem Taktik-Baukasten.

Vorläufige Erklärung des Taktikbegriffs.

Wenn das Tennisspiel durch sich ständig ändernde Spielsituationen und Spielaufgaben gekennzeichnet ist, dann besteht Taktik darin, diese Situationen und die vorliegenden Aufgaben zu erkennen und zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun.

Das bedeutet also konkret,

  • nach verfügbarer Zeit mehr oder weniger schnell wahrnehmen und erkennen,
  • sich für eine Auswahl entscheiden und diese Entscheidung entschlossen durchführen.
  • Danach kann dann nachgedacht werden, ob und warum die Entscheidung günstig oder ungünstig war.
Also ist Taktik verbunden mit Wahrnehmungs-, Entscheidungs- und Denkprozessen, und genau dort muss auch Taktiktraining ansetzen.

In der spieltheoretischen Literatur wird allgemein unterschieden in Individual-, Gruppen- und Mannschaftstaktik. Da Tennis eine Individualsportart ist und das Doppel an anderer Stelle behandelt wird, beschränken wir uns auf die Darstellung der Individualtaktik.
Zusammenfassend lassen sich aus taktischer Sicht drei grobe Anforderungen definieren:

  • das Wahrnehmen und Einschätzen der Spielsituation und der daraus ableitbaren Spielaufgaben,
  • das Auswählen einer bestimmten Spielhandlung als günstigste Antwortreaktion
  • und die zielgerichtete Ausführung dieser Spielhandlung mit anschließender Begutachtung. Alle drei Handlungsaspekte (Wahrnehmung, Denken und Bewegung) sind zudem unter dem Zeitfaktor, beziehungsweise dem Zeitdruck, zu betrachten.

Taktik und Strategie


Taktik: Intuitives Denken und Handeln

Häufig sind im Tennis die Abläufe derart schnell, dass für intensive Wahrnehmungs- und Auswahlprozesse keine Zeit mehr bleibt, und eine schnelle und fast schon reflexartige Antwortreaktion erfolgt. Dabei spricht man von intuitivem Denken und Handeln.

Sehr viele Einzelhandlungen unter größerem Zeitdruck fallen unter diese Kategorie, und werden umso sicherer und erfolgreicher durchgeführt, je erfahrener und entschlossener die Spieler sind.

Beispiel
Bei einem sehr schnellen Aufschlag auf die Rückhandseite bleibt keine Zeit mehr für eine Beobachtung des Aufschlägers und taktische Auswahl der Returnmöglichkeiten, sondern der in dieser Situation einfachste und günstigste Schlag (verkürzter Slice als Cross-Return) läuft ohne Nachdenken programmgemäß ab.

Operatives Denken und Handeln

Wenn so viel Zeit verfügbar ist, dass die gegnerische Schlaghandlung in Ruhe beobachtet werden kann, und danach zwischen mehreren Antwortalternativen ausgewählt und geplant werden kann, dann wird von operativem Denken und Handeln gesprochen.

Beispiel
Der Aufschläger sieht in aller Ruhe, wie der Returnspieler positioniert ist und kann sich seine Aufschlagrichtung, Drallart und Geschwindigkeit aus mehreren Möglichkeiten auswählen und planen, und dann in selbstbestimmter Zeitfolge realisieren.

Diese Idealform des operativen Denkens kann in den meisten Ballwechseln nur bedingt angewendet werden, da das vorhandene Zeitbudget meist eingeschränkt ist. Folglich werden auch beim operativen taktischen Verhalten die Denk- und Auswahlprozesse meist stärker eingeschränkt und beschleunigt werden müssen, was mit zunehmender Spielpraxis und Spielintelligenz immer besser gelingt.

Beispiel
  • In einem Vorhand – Cross – Ballwechsel kann die Richtung beibehalten oder gewechselt werden. Letzteres wird meist dann gemacht, wenn der Gegner kürzer spielt und seine Positionierung (Feldabdeckung) genügend freien Raum lässt für einen erfolgreichen Angriff.
  • Antizipiert der Gegner aber den Longline Angriff und positioniert sich entsprechend, kann bei schneller Wahrnehmung und Planänderung auch durch einen sehr kurz cross gespielten Ball der Winkel vergrößert und das Feld für einen folgenden Angriff geöffnet werden.

Es dürfte jetzt deutlich geworden sein, dass intuitives oder operatives Handeln von der verfügbaren Wahrnehmungs- und Entscheidungszeit stark abhängen und mehr oder weniger schnelles, spielintelligentes Entscheiden verlangen. Die erfolgreiche Anwendung hängt wiederum viel mit Erfahrung und konsequentem Auswerten der eigenen Spielhandlungen zusammen, aber auch von der Qualität der in der jeweiligen Situation verfügbaren technischen Fertigkeiten.

Strategie

Fällt der Zeitdruck weg und wird für einen größeren Spielabschnitt oder gar das ganze Spiel ein Handlungsplan zurechtgelegt, dann findet der Begriff „Strategie“ Verwendung.

Strategisches Denken bedeutet, dass in Kenntnis der gegnerischen Fähigkeiten und / oder der eigenen Qualitäten und Vorlieben für ein ganzes Spiel oder einen Spielabschnitt ein Handlungsplan zurechtgelegt wird.
Beispiel
Ein geduldiger Spieler kann in Kenntnis der gegnerischen Angriffsschwäche sein Spiel auf risikoarme lange Ballwechsel mit viel Vorwärtsdrall ausrichten.

Ist diese Spielanlage erfolgreich, dann ist ein Strategiewechsel nicht erforderlich.

Erzielt der Gegner aber zunehmend mehr Punkte durch Angriffsaktionen und geht in Führung, muss die gewählte Strategie in Frage gestellt und gegebenenfalls korrigiert werden.

Abhängigkeiten von Taktik und Technik

Die Ausführungen im letzten Abschnitt machten bereits deutlich, dass eine hohe Abhängigkeit der Taktik von den technischen Fertigkeiten der Spieler besteht. Es können also nur die Schläge mit Aussicht auf Erfolg angewendet werden, die technisch beherrscht und in unterschiedlichen Situationen verfügbar sind.

Das bedeutet folgendes:

  • In vielen Spielsituationen reduziert sich bei taktisch klugen Spielern schon die Zahl der Antwortalternativen.
  • Aus taktischer Sicht ergibt sich die Forderung nach möglichst vielseitiger technischer Ausbildung als Grundlage für taktische Handlungsfähigkeit.
  • Für das Taktiktraining kann man bereits an dieser Stelle vorwegnehmen, dass in der ersten Stufe die möglichen technischen Ausführungen einer Spielaufgabe durchgespielt werden sollten, um Anwendungsmöglichkeiten und Erfolgswahrscheinlichkeiten beobachten und beurteilen zu können.
  • Für das Techniktraining ergibt sich daraus die Forderung und Begründung für ein frühzeitiges spielorientiertes Technikanwendungstraining, das den Lernenden von Anfang an Rückmeldungen über erfolgreiches und weniger erfolgreiches Spielverhalten gibt.
  • Die Trainer/innen sollten diese Rückmeldungen fördern, ergänzen und positiv verstärken. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Technik und Taktik sollten nicht nur vermittelt, sondern auch von den Spielern und Spielerinnen erlebt und gelebt werden, im Training ebenso wie im Spiel.
  • Schläge technisch beherrschen
    Forderung nach vielseitiger technischer Ausbildung
  • alle möglichen technischen Ausführungen einer Spielaufgabe durchspielen
  • die Anwendungsmöglichkeiten und Erfolgswahrscheinlichkeiten beobachten und beurteilen.
Anforderungsprofil der Tennistaktik für die Zielgruppe der Anfänger und Fortgeschrittenen

Einflussfaktoren und Problembereiche des taktischen Verhaltens und Anforderungen an das Tennistraining.

Wenn wir von den Taktikbausteinen im methodisch-praktischen Teil des Lehrplans ausgehen, ergeben sich folgende Aufgaben:

  • Erkennen und Auswählen von Anspielräumen.Dazu muss die Geometrie des Handlungsfeldes wahrgenommen werden. Wo steht der Gegner, welche Anspielmöglichkeiten hat er, wo muss ich mich platzieren, um möglichst alle erreichen zu können?
  • Wahrnehmung des Ballflug bezüglich Richtung, Länge und Geschwindigkeit und Drall und
  • Einschätzung des Treffpunkts und
  • Positionierung des Gegner nach dem eigenen Schlag.

Taktische Grundmuster

Aus diesen Beobachtungen und Einschätzungen ergeben sich nun grundsätzliche Handlungsmöglichkeiten, wie z.B.

  • zum Gegner hin, oder von ihm weg spielen, den Gegner mehr oder weniger zum Laufen bringen, kurz oder lang spielen,
  • bei etwas fortgeschrittenen Fertigkeiten und Fähigkeiten kann die bereits anspruchsvollere taktische und technische Qualität des Winkelsteuerns die Auswahl der Anspielräume erweitern, indem kleine oder größere Winkel gespielt werden, und das Feld geöffnet wird für anschließende druckverstärkende Richtungswechsel.
  • In Verbindung mit unterschiedlichen Schlagwinkeln kann und muss auch die Schlaglänge taktisch variiert werden, und zusätzlich sollte die Schlaghöhe in Beziehung zur Schlaglänge gesetzt werden.

„Feld abdecken“ und „Anspielräume erkennen“ sind taktische Grundmuster, die eng zusammenhängen und am Anfang der taktischen Vermittlung stehen.

Sie sind von derart grundlegender Bedeutung, dass auch in den folgenden Könnensstufen ihre Beachtung und konsequente Umsetzung gefordert und ständig überprüft werden muss.

  • Aus Bequemlichkeit und Nachlässigkeit schleichen sich gerade für dieses elementare taktische Verhalten oftmals Fehler ein, die nachhaltigen und extrem nachteiligen Einfluss auf den Entwicklungsverlauf der Spielfähigkeit nehmen.

Aufgaben der Wahrnehmung und Berechnung der Spielsituation:

  1. Auswählen von Anspielräumen.
  2. Winkelsteuern
  3. Feld abdecken
  4. Anspielräume erkennen

 

Entscheidungen zur eigenen Handlungsplanung

Sind Wahrnehmungen und Berechnungen zur Spielsituation abgeschlossen, müssen Entscheidungen zur eigenen Handlungsplanung und –steuerung folgen. Diese Entscheidungen beziehen sich auf

  • Art der Ballkontrolle und
  • Risikosteuerung.
    • Technik, Koordination und Taktik weisen enge Verbindungen und Wechselwirkungen miteinander auf
    • der Schwerpunkt des Trainings kann aber stärker in die eine oder andere Richtung wirken.

Beispiel:

  • Aus technischer Perspektive kann Ballkontrolle im Erlernen, Optimieren und situationsbezogenen Anwenden von Topspin bestehen.
  • Aus koordinativer Perspektive in der Feinregulierung von Drall zur Differenzierung von Schlaggeschwindigkeit, Schlaglänge und Ballabsprung.
  • Aus taktischer Perspektive in der situationsbezogenen Auswahl bestimmter Topspinschläge.
  • Für unsere fortgeschrittenen Anfänger kann dies bedeuten, dass sie
    • auf der Vorhand aus Sicherheitsgründen den bereits recht gut beherrschten Topspin mit mäßigem Drall hoch übers Netz ins gegnerische Mittelfeld spielen und damit wenig Risiko eingehen,
    • auf der Rückhand kann die gleiche Zielsetzung (Risikovermeidung) zum Verzicht auf Topspinschläge, etwas geringere Schlaghöhe und etwas erweiterte Schlaglänge führen.

Risikosteuerung

Damit wird auch deutlich, dass Ballkontrolle (aus taktischer Sicht) und Risikosteuerung eng zusammen gehören.

Zur Risikosteuerung gehören die Platzierung hinsichtlich der räumlichen Sicherheitsmargen, die Schlaggeschwindigkeit hinsichtlich der dynamischen Erfolgschancen und die Drallauswahl und Dralldifferenzierung hinsichtlich der technisch – koordinativen Verfügbarkeit.

Daraus ergeben sich die folgenden ganz praktischen Fragen:

  • wie nah soll / darf ans Netz und an die Linien gezielt werden ?
  • welche Schlagtechniken sind in welchen Situationen mit Aussicht auf Erfolg anwendbar oder (noch) zu vermeiden ?
  • wie schnell darf / soll in welchen Situationen gespielt werden, ohne zu hohes Fehlerrisiko einzugehen ?
  • Welcher Drall und wie viel Drall kann bei welchen Schlägen gespielt werden, ohne das Fehlerrisiko zu sehr ansteigen zu lassen ?
  • Wieviel Variation der Schläge kann bereits gewählt werden, ohne dass die eigene Fehlerquote zu sehr gesteigert wird ?

Aus Sicht der Risikosteuerung lässt sich taktisches Verhalten in vier Stufen systematisieren:

  1. Eigene Fehler vermeiden
  2. Eigene Fehler vermeiden ohne dem Gegner Angriffe zu ermöglichen
  3. Den Gegner durch druckvolles Spiel zu Fehlern zwingen
  4. Durch unerreichbare Bälle direkte Punkte erzielen.
  • Auch sehr gute Spieler erzielen höchstens ca. 5 % der Punkte durch unerreichbare Bälle, und greifen mit druckvollen Bällen meist erst aus einer sicheren oder zumindest neutralen Situation an.
  • Das heißt, sie spielen so lange sicherheitsorientiert, wenn auch auf hohem Niveau, bis sich eine Situation zur Druckerhöhung ergibt.
  • Für unsere Zielgruppen ist über längere Zeit die 1. Stufe (absolut sicherheitsorientiert) die erfolgreichste Taktik, bis dann behutsam der Druck erhöht werden kann. Was bedeutet nun sicherheitsorientierte Taktik und behutsame Druckerhöhung für die unterschiedlichen Situationen ?

Taktik der Spieleröffnung

Anfänger tendieren beim Aufschlag zu schnellen Ausführungen, ohne ausreichend sicher platzieren zu können, was natürlich zu hohen Fehlerquoten führt. Da sie technisch noch nicht zwischen erstem und zweitem Aufschlag über Dralldifferenzierung unterscheiden können, wird der zweite sehr langsam und meist mit abweichender Technik ausgeführte Aufschlag ebenfalls sehr fehlerbehaftet. Dabei wird die Quote zwischen erwartetem Erfolg (Ass oder Aufschlagpunkt) und Misserfolg (Doppelfehler) nicht wahrgenommen oder nicht ernst genommen. Sie verstehen auch nicht, dass die Ursache ihres Misserfolgs nicht auf abstellbaren technischen Fehlern beruht, sondern aus bezogen auf ihre Lernentwicklung unangemessenen Erwartungen und Einstellungen. Gerade beim Aufschlag ist es wichtig, von Anfang an realistische Ziele zu entwickeln und das Resultat der taktischen Entscheidungen zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Für das Taktiktraining bedeutet dies, dass Spieleröffnung in der wörtlichen Bedeutung das Ziel ist und nicht die Spielbeendigung. Deshalb empfiehlt es sich anfangs auch, erst dann zu zählen, wenn das Spiel eröffnet ist, also Aufschlag und Return im Feld sind, und der dritte Ball gespielt wurde. Später (mit verbesserter Schlagpräzision) kann dann versucht werden, auf die Vorhand oder Rückhand aufzuschlagen, und behutsam das Schlagtempo und den Drall zu verändern. Bei höherer Fehlerquote sollte auch durchaus auf unterschiedliche Aufschlaggestaltung bei erstem und zweitem Aufschlag verzichtet werden, wenn damit strategisch bessere Ergebnisse erzielt werden.

Für den Return gelten die gleichen Vorgaben und taktischen Erläuterungen, zumal es hier ja keinen zweiten Versuch gibt, und folglich die Risikoabwägung noch kritischer sein sollte. Gerade beim Return lassen sich sehr gut die besonderen Abhängigkeiten der taktischen Entscheidungen vom Zeitdruck aufzeigen, und die Entwicklung von intuitiven Verhaltensweisen im Tennis demonstrieren.

Ziele des Anfängers beim Aufschlag:

  • das Spiel eröffnen
  • den Aufschlag ins Feld bringen

Ziele des Fortgeschrittenen beim Aufschlag:

  • auf Vorhand oder Rückhand aufschlagen
  • behutsam Schlagtempo und Drall verändern

Taktik des Grundlinienspiels

Ausgehend von gutem Positionierungsverhalten und guter Feldabdeckung sollten Anfänger zuerst versuchen, wiederholt sicher ins Feld zu spielen und in Erfahrung bringen, welche Sicherheitsmargen in der Höhe (Netz) und zu den Linien dazu erforderlich sind. Anfänger zielen sehr gerne an die Linien und schätzen dabei die Realisierungschancen völlig falsch ein. Ebenso wie bei der Spieleröffnung werden Punktverluste Technikfehlern zugerechnet, und deshalb wird meist an der Bewegungsausführung angesetzt, statt die taktischen Ziele zu überprüfen. Richtungsänderungen müssen als risikoverstärkend verstanden werden, und deshalb mit besonderer Aufmerksamkeit begleitet werden. Gleiches gilt für Änderungen der Geschwindigkeits- und Längensteuerung sowie für größere Winkelausschläge. Ausgehend von sicherheitsorientierten Cross-Schlägen kann behutsam zuerst die Richtungsänderung thematisiert und taktisch verarbeitet werden, bevor größere Winkel und höhere Schlaggeschwindigkeiten in Angriff genommen werden. Bei den Grundlinienbällen muss auf ein für Anfänger geradezu typisches und extrem leistungshemmendes Verhalten unter Zeitdruck hingewiesen werden, den reflexartigen Schlagbeschleunigungen in Notsituationen. Deshalb muss sehr früh auf die situationsabhängige Unterscheidung in offensive neutrale und defensive Ausgangslagen für die eigene Schlagauswahl hingewiesen und hingearbeitet werden. Dem in „Play & Stay“ postulierten Anspruch der Spielorientierung kann nur entsprochen werden, wenn die Ballwechsel von Anfang an auch hinsichtlich ihrer Spielgemäßheit und taktischen Ausrichtung überprüft und rückgemeldet werden. Dabei sollten die Lernanfänger und Fortgeschrittenen immer mehr zu eigenständiger und eigenverantwortlicher Überprüfung und Bewertung ihres taktischen Verhaltens angeleitet und erzogen werden.

Ziele des Anfängers:

  • den Ball wiederholt sich ins Feld spielen

Ziele des Fortgeschrittenen:

  • Richtungen allmählich ändern (sicherheitsorientiertes cross Spielen)
  • Schlaggeschwindigkeit allmählich steigern

Taktik des Angriffsspiels

Serve and Volley ist für unsere Zielgruppen noch kein realistisches Taktikkonzept, und soll deshalb auch hier nicht weiter thematisiert werden. Dennoch geraten auch fortgeschrittene Anfänger in Situationen, wo es zu entscheiden gilt, ob wieder zurück zur Grundlinie gelaufen wird, oder nicht doch besser die Netzposition gesucht wird. Für diese Entscheidung ist insbesondere eine gute Wahrnehmung der zu erwartenden Länge des Ballflugs und –absprungs hilfreich, und daran anschließend die zweckmäßige Positionierung im Feld. Zusätzlich ist zu entscheiden, ob ein unerreichbarer Winner angesteuert wird – was auf diesem Niveau selten gelingt – oder ein erschwert zu passierender Ball, was immer dies in der betreffenden Situation bedeutet. Am Beispiel des Netzangriffs kann sehr eindrucksvoll die Komplexität des Taktiktrainings aufgezeigt werden, und damit auch die methodischen Strategien zur systematischen Steuerung des Taktiktrainings, mit den Erleichterungen und Hilfen, die zu beschleunigten Leistungsentwicklungen führen. Damit ist auch bereits der Übergang zum Training der taktischen Fähigkeiten angedeutet.

Fortgeschrittene Anfänger müssen ab und an entscheiden, ob sie zurück zur Grundlinie oder ans Netz laufen sollen:

  • Wahrnehmung der Länge des Ballfluges ist entscheidend.
  • Winner spielen oder den Passierball des Gegners erschweren.

Trainingsmethodik taktischer Fähigkeiten

Taktiktraining ist Wahrnehmungs- und Entscheidungstraining

  • dieses kann grundsätzlich sowohl implizit als auch explizit angelegt werden.

 

Implizites Taktiktraining

Implizit bedeutet, dass die Spieler durch geschickte Übungs- und Spielformenarrangements wiederholt in Situationen gebracht werden, wo sie selbständig wahrnehmen und entscheiden müssen, und lediglich angeleitet werden, ihre Entscheidungen und die Ergebnisse derselben kritisch zu analysieren. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass die Lernenden selbst ihre Wahrnehmungen und Entscheidungen überprüfen, und somit frühzeitig die eigentliche Grundlage taktischen Verhaltens, die ständige Hinterfragung und Auswertung von Entscheidungen, verinnerlichen und eigenständig weiterentwickeln. Sie lernen damit nicht nur taktisches Verhalten, sondern entwickeln auch Spielintelligenz.

  • Spieler werden in Situationen gebracht werden, in denen sie selbständig wahrnehmen und entscheiden müssen,
  • anleiten ihre Entscheidungen und die Ergebnisse derselben kritisch zu analysieren.
Explizites Vorgehen
  • Vorgabe der Lernziele und Lerninhalte durch Trainer,
  • methodisch strukturiert und systematisch so aufbereitet, dass das gewünschte Verhalten möglichst schnell und erwartungsgemäß einsetzt.

Methodische Konzeption des Taktiktrainings

Erster Schritt des Wahrnehmungs– und Entscheidungstrainings:
  • Modellieren einer Situation durch den Trainer
  • Übende nehmen die Situation wahr und entscheiden

Hierzu ein Beispiel zur Verdeutlichung dieser am häufigsten verbreiteten methodischen Konzeption des Taktiktrainings.
Im ersten Schritt modellieren die Trainer durch eigenes An- und Mitspiel oder durch entsprechende Anleitung im partnerschaftlichen Üben die Situationen für das angesteuerte taktische Verhalten. Nehmen wir zur Illustrierung den Netzangriff. Sie spielen unterschiedlich lange Bälle ein und lassen die Übenden wahrnehmen und entscheiden, ob ein Angriff oder ein Zurücklaufen aus dem Feld die angemessenere Wahl in der Situation ist. Sie geben Hinweise und Kriterien zur Bewertung ihrer Entscheidung – bspw. die Selbstbeobachtung, ob ohne zu großen Zeitdruck eine angestrebte und der Aufgabe angemessene Netzposition erreicht wurde.

Nach dieser ersten Stufe des Wahrnehmungs- und Entscheidungstrainings werden die unterschiedlichen Lösungsvarianten demonstriert, erprobt und gefestigt. Dabei können auch technische und koordinative Lernziele berücksichtigt und in Korrekturhinweisen angesteuert werden. In dieser Stufe des Taktiktrainings steht die motorische Realisation und Stabilisation im Vordergrund der Trainingsbemühungen. Es soll an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt werden vor der weitverbreiteten Fehlannahme, dass diese Stufe allein genommen bereits als Taktiktraining gelten könnte, denn streng genommen handelt es sich hierbei ausschließlich um Technikanwendungstraining ohne Berücksichtigung von Auswahl- und Entscheidungsprozessen. Erst die Erweiterung zur nächsten Wahrnehmungs- und Entscheidungsstufe kennzeichnet wieder diese Trainingsform als Taktiktraining. In der Wahrnehmung der eigenen situativen Bedingungen ( Erreichung des Trefforts, Höhe des Treffpunkts, etc.) des gegnerischen Positionierungsverhaltens und unter Berücksichtigung des Erfahrungswissens (Stärken und Schwächen) muss jetzt entschieden werden, ob ein Winner oder ein Angriffsschlag auf die Vorhand- oder Rückhandseite des Gegenspielers erfolgen soll, oder ein kurz gewinkelter Ball, und mit welcher Schlagart und Geschwindigkeit der jeweilige Schlag ausgeführt werden soll. Nach der Ausführung wird lediglich die sensorisch und kognitiv bedingte Auswahl des taktischen Lösungsmusters diskutiert und bewertet, wobei immer zuerst der/die Übende selbst reflektieren sollte. Danach erfolgt auch von Trainerseite eine Rückmeldung, die bestätigen oder problematisieren kann – je nachdem worin die Ursache des Erfolgs oder Misserfolgs zu sehen ist.

Weiteres Vorgehen :
  • Demonstrieren, erproben und festigen unterschiedlicher Lösungsvarianten
  • Korrekturen – auch technischer und koordinativer Lernziele. Hierbei handelt es sich um ein Technikanwendungstraining.
Taktiktraining

Erst die Erweiterung zur nächsten Wahrnehmungs- und Entscheidungsstufe kennzeichnet wieder diese Trainingsform als Taktiktraining. In der Wahrnehmung der eigenen situativen Bedingungen ( Erreichung des Trefforts, Höhe des Treffpunkts, etc.) des gegnerischen Positionierungsverhaltens und unter Berücksichtigung des Erfahrungswissens (Stärken und Schwächen) muss jetzt entschieden werden, ob ein Winner oder ein Angriffsschlag auf die Vorhand- oder Rückhandseite des Gegenspielers erfolgen soll, oder ein kurz gewinkelter Ball, und mit welcher Schlagart und Geschwindigkeit der jeweilige Schlag ausgeführt werden soll. Nach der Ausführung wird lediglich die sensorisch und kognitiv bedingte Auswahl des taktischen Lösungsmusters diskutiert und bewertet, wobei immer zuerst der/die Übende selbst reflektieren sollte. Danach erfolgt auch von Trainerseite eine Rückmeldung, die bestätigen oder problematisieren kann – je nachdem worin die Ursache des Erfolgs oder Misserfolgs zu sehen ist.

  • Erst durch die Erweiterung zur nächsten Wahrnehmungs- und Entscheidungsstufe wird daraus ein Taktiktraining.
  • Der Übende selbst reflektiert, bevor der Trainer Rückmeldung gibt.

 

Steuern des Lern- und Entwicklungsprozesses durch Erleichterungen im Taktiktraining:

Die methodische Aufbereitung des Taktiktrainings kann nun durch Erleichterungen und Entscheidungshilfen den Lern- und Entwicklungsprozess steuern und beschleunigen. Nach dem zumindest teilweise trainergesteuerten Wahrnehmungstraining und dem ziel- und adressatengemäßen „Durchspielen und Festigen“ der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten werden nun isolierte Situations- und Aufgabenmuster angeboten, und damit die Komplexität reduziert. Verdeutlichen wir uns dieses Verfahren am Beispiel des Passierballs als Antwort des Gegenspielers auf den Netzangriff. Zur Komplexitätsreduktion wird der Angriff auf die Rückhandseite vorgegeben, was allerdings keinesfalls zu vernachlässigter und fehlerhafter Feldabdeckung führen darf. Auf dieses Risiko und entsprechenden Korrekturbedarf bei vorgegebenen Schlagrichtungen und Schlagfolgen sei ausdrücklich hingewiesen. Wird entsprechendes Fehlverhalten nicht angesprochen und abgestellt, kann es sowohl in technischer wie taktischer Hinsicht zu kontraproduktiven Verhaltensweisen kommen, die Lernerfolge in Frage stellen.

Zur Erleichterung von Zeitdruck, Belastungs- und Situationsdruck wird die Zahl der Handlungsalternativen reduziert. Je nach Positionierung des Trainers oder des angreifenden Spielers soll unterschieden werden in longline oder cross – Passierball. Anschließend wird je nach Netzdistanz des Angreifers unterschieden in Lob oder „kurzes Spiel in die Füße des Angreifers“. Im folgenden Schritt wird dann die Komplexität wieder erhöht, indem je nach Positionierung in Longline-Passierball, Kurz-cross Passierball, Lob oder Spiel in die Füße zu unterscheiden ist. Weitere Unterscheidungen und Entscheidungen sind denkbar, aber auf dem Anfängerniveau nicht angemessen.

über Reduzierung der

  • Komplexität durch isolierte Situations- und Aufgabenmuster
  • Handlungsalternativen

 

Freies Spiel als letzte Stufe des Taktiktrainings:

Die letzte Stufe des Taktiktrainings ist dann die Anwendung im freien Spiel, wobei durchaus die Trainer die Spieleröffnung bis zur gewünschten Situation modellieren können und dann das Spiel freigeben. Wichtig ist, dass die Situationen für taktische Wahrnehmungs- und Entscheidungsleistungen häufig reproduziert werden, und die Trainierenden viele Rückmeldungen erhalten. Dabei sollte immer stärker das eigenständige Auswerten und Bewerten von taktischen Entscheidungen in den unterschiedlichen Situationen des Spiels gefördert und entwickelt werden.

  • Aufgabenstellung durch Trainer
  • Häufige Reproduzierbarkeit der
    taktischen Wahrnehmungs-
    und Entscheidungsleistungen
  • Rückmeldungen durch Trainer
  • Eigenständiges Auswerten und Bewerten der taktischen Entscheidungen